Die neuen Knobelreiseberichte und Impressionen erscheinen in den nächsten Tagen im Menu
Reise ( Texte / Bilder ) regelmässig unregelmässig.
Ruth, Gerd und eine Freundin noch in Basel Foto: Markus Campana
Donnerstag, 26. August 2010 Wir sassen mehrheitlich im Flugzeug, flogen mit der Sonne,
mit dem Licht in Richtung Nordamerikanischen Kontinent und schliesslich in den
äussersten Westen von Kanada. Der Flug dauerte über 9 Stunden. An alle, die hin und wieder unsere Vortagesnotizen verfolgt
haben: Mit unserer Ankunft in Vancouver sind die Vortage gewesen.
Neue Texte und Bilder werden auf der Website unter Reise und Texte und Fotos
erscheinen. Selbstverständlich sind alle bisherigen Notizen abgespeichert und
könnten auf Wunsch im Oktober zugeschickt werden. Dank dieser kurzen und
täglichen Notizen hat sich die Zahl der Besucher auf unserer Webseite deutlich
erhöht. Ab morgen also die ersten Knobelreiseberichte + Fotos aus
Westkanada. Wegen der Zeitverschiebung von 9 oder 10 Stunden werden die neuen
Notizen und Impressionen ebenfalls Zeit verschoben erscheinen. Wir danken Ihnen
und Euch sehr herzlich für die bisherige Neugier und hoffen, in den nächsten 40
Tagen hin und wieder über Spannendes und vielleicht auch Ungewohntes berichten
zu können. Und wer Fragen hat oder einen Kommentar beitragen möchte: Unsere
E-Mail Adressen sind auf dieser Webseite ersichtlich. Euch und uns eine gute Zeit wünschen Gerd + Ruth Imbsweiler
Montag, 23. August 2010 Die Zeit quält sich mit uns und um uns herum. Noch ist es
nicht Abend. Die gepackten Koffer stehen da wie manchmal der Staubsauger
und Einkaufswägelchen und Tragtaschen mit leeren Flaschen. Früher mussten wir
oft bereits um 7 Uhr fliegen und vor 6 Uhr am Flughafen sein. Einige Male
mussten wir sogar den Vorabend in einem Hotel in Zürich verbringen, um
frühmorgens einzuchecken. Morgen ist es übermenschlich menschlich: Abflug ab
Basel 14 h 42. So pünktlich wären
wir noch nie abgeflogen, wenn wir tatsächlich um 14 h 42 abhebten. Oder müsste
es abhüben heissen? Den Duden haben wir nicht im Reisegepäck.
Sonntag, 22. August 2010 Zweimal werden wir noch wach, heissa, dann ist
Reisetach. Ich weiss nicht, wie vehement dieses «heissa» aus mir
rauskäme, wenn ich es sänge. Ich bin immer zu sehr aufgeregt. Und dann
singe ich kreuzfalsch. Ein langer Flug und anschliessend fremde und für uns
jungfräuliche Städte und Landschaften, das ist unsere nächste Zukunft. Manchmal
dachte ich in ähnlichen Momenten: Hier bin ich zum ersten Mal und sicher auch
zum letzten Mal. Im Allschwiler Wald passiert mir das nie. Morgen ist ein echter Vorabend, der klassische Vorabend!
Samstag, 21. August 2010 Während viele Unternehmen schon wieder bemerkenswerte
Gewinne einfahren, sind weite Teile der Weltbevölkerung von Naturkatastrophen
betroffen und wir fragen uns, ob wir überhaupt ein Recht darauf haben, jetzt eine
Reise anzutreten. Zu späte Skrupel. Wenn ich Nachrichten höre, Zeitungen lese, TV-Diskussionen
verfolge, überall wird nur von Wachstum, Erhöhung, Steigerung geredet. Wo etwas
nicht an Höhe gewinnt, ist es bereits absturzgefährdet. Das hat auch etwas mit dem
Turmbau zu Babel zu tun. Alle redeten angeblich wichtige Sätze, aber keiner verstand den anderen. Es begann Chaos zu herrschen. In den Teppichetagen haben sich viel zu viele viel zu lange überschätzt. Die Quittung kam und wird wieder kommen. In
unserer Gewinnwachsgesellschaft ist kein Gewinn bereits Verlust, obwohl das
logischerweise gar nicht stimmt. Kapitalismus kennt aber keinen Status quo.
Gewinn- oder Verlustrechnung, so haben wir es gelernt. Etwas dazwischen gibt es
nichts. Alles dazwischen wird als Stillstand angesehen, dabei hätten wir beim
stillen Stehen Zeit zur Besinnung, zum Überdenken, zum Entwerfen von Taten, die
gut täten.
Freitag, 20. August 2010 Was passiert, wenn eine so klitzekleine Fruchtfliege von
einem Regentropfen getroffen wird? Vorgestern habe ich einige davon ins
Regenwetter geschickt. Ich könnte aber auch fragen, warum Fruchtfliegen so
nervig stören, obwohl sie so klein sind. Ich könnte aber auch so tun, als gäbe
es sie gar nicht. Ich glaube, das werde ich in Zukunft tun. Sollen sich die Wissenschaftler um ihre
Standart-Untersuchungsobjekte der Genetik kümmern, ich ignoriere sie ab sofort. Oder ich
verzichte auf Obst und jede Gärung.
Donnerstag, 19. August 2010 Ruth war heute beim Venendoktor. Er hat ihre Beine sehr
freundlich und mit Humor untersucht und ihr danach -leider- nicht nur für den
langen Flug Stützstrümpfe verschrieben. Dafür mussten ihre Beine von einer
netten, jungen Arztgehilfin vermessen werden. Sie erkundigte sich nach dem Ziel
des langen Fluges. Vancouver! Aus tiefsten Herzen diese Reaktion: Oh, da habe
ich 3 Jahre gelebt - meine 2. Heimat, ich käme am liebsten mit. Natürlich bekam
Ruth noch Reisetipps. Dank Stützstrümpfen steigert sich ihre und unsere
Vorfreude.
Mittwoch, 18. August 2010 Probepacken bedeutet: Die Fehler der vergangenen Reisen
nicht zu wiederholen. Meist hatten wir zu viele Kilos. Das Klima war schuld.
Es könnte ja auch kalt werden. In den Rocky Mountains wird es im September mit
Sicherheit kalt. Also! Wir werden die erlaubten Kilos Gramm für Gramm ausnutzen
und Kleider einpacken, die sowohl für Kälte als auch für wärmere Tage geeignet
sind. Motto meiner verstorbenen Mutter war: Was für die Kälte gut ist, ist es
auch für die Hitze. Griechische Fischer trugen auch in grösster Hitze
Wollpullover. Und die Bären, vor denen uns inzwischen fast jeder warnt, tragen
Sommer wie Winter ein Fell.
Dienstag, 17. August 2010 Eine meiner Kurzgeschichten lautet so: Geheimtipp. Da sich Wunderli für keines der populären Ferienreiseziele
entscheiden konnte, er aber dennoch nicht auf seine Zwangsferien verzichten
wollte, musste speziell für ihn ein neues Urlaubsziel erfunden werden. Eine
geschäftstüchtige Reiseagentur gab sich alle Mühe und erfand den Ferienort
****. Wo liegt denn dieses ****? Wollte Wunderli wissen. Das geht sie nichts an, antwortete der geschäftstüchtige
Agent der geschäftstüchtigen Agentur. Unterschreiben sie hier, dass sie später
niemandem verraten, wo dieses **** liegt und wie man es erreicht. **** ist ein Geheimtipp. Sie sind der erste Kunde, der nach
**** reisen wird. Gepäck brauchen sie dort nicht. Sie können sofort mitkommen. Wunderli ging mit und verschwand wort- und gepäcklos hinter
einer gewöhnlichen, schalldichten Doppeltür. Es scheint ihm zu gefallen in ****.
Montag, 16. August 2010
Es gab noch Zeiten, da gab es keinen Computer und man schickte Grüsse in Form von Postkarten nach Hause. 1996 besass ich einen Laptop und beschrieb während unserer Australien-Reise Disketten. Zuhause druckte Kollegin Esther diese Texte aus und verschickte sie, kopiert, an die Menschen, die sie zuvor bestellt hatten. Von Südamerika aus funktionierte ein neues System überhaupt nicht. Manche Texte kamen doppelt, manche gar nicht an. Jetzt hoffe ich, dass ich über W-Lan oder Wi-Fi Zugang zum Internet finde und auch Fotos veröffentlichen kann. Die eine oder andere Postkarte werden wir aber dennoch verschicken.
Sonntag, 15. August 2010 In den vergangenen Tagen und Wochen haben wir realisiert,
dass wir eigentlich grosse Lust haben, Ionescos Stück «Die Stühle» nochmals zu
spielen. Wir sind der Meinung, dass wir dabei sind, uns ans wahre Alter der
beiden Alten heranzualtern. Seit
der Premiere sind 23 Jahre vergangen. Merkwürdig, manchmal kommen gute Ideen
immer dann, wenn man keine Zeit mehr hat, sich um sie zu kümmern.
Ruth Oswalt + Gerd Imbsweiler schauen in die Zukunft. Foto: Markus Campana
Samstag, 14. August 2010
Fliegen. Vor einem neuen Abflug treffe ich nur Leute, die unter Flugangst leiden und ihre Ängste in allen Variationen ausbreiten. Ich will mich an diese subjektiven Erfahrungsberichte gar nicht erinnern, will sie auch nicht multiplizieren. Wir müssen fliegen, weil wir das Ticket bereits haben. Oder wir müssten ganz einfach den Flug verfallen lassen, uns auf den Balkon setzen und realisieren, dass die Schwalben bereits abgehauen sind, abgeflogen, vermutlich gen Süden. Und wir fliegen nach Westen. Bis dahin fliegen hier Fliegen, die Sonne sonnt und Winde winden sich um alle Pflanzen hier im Hinterhof.
Freitag, 13. August 2010
Fest steht, dass wir nach über 30 Jahren Theaterzwangsferien und Spielplänen und Probenplänen und Tourneeplänen keine grosse Lust mehr haben auf Urlaubspläne und genaue Reisepläne. Das Wegsein ist ebenso wichtig wie das Irgend-wo-sein oder das Da-und-dort-sein. Im Wegsein erholten wir uns am besten und tankten Kraft. Manchmal standen wir in den Schweizer Bergen oder auf Inseln in der Suedsee und fragten uns: Was machen wir eigentlich zu Hause? Hat das einen Sinn? Wieder zu Hause bekam es neuen Sinn! Bis wir uns irgendwo wieder fragen mussten....
Donnerstag, 12. August 2010
In der gestrigen Zeitung habe ich viele Tipp- und Schreibfehler entdeckt. Sogar ins Inserat eines grossen Unternehmes haben sich Fehler eingeschlichen. Ich bin in solchen Momenten immer im Zwiespalt. Soll man das rückmelden? Ich käme mir kontrolleurhaft vor. Und ausserdem, würde das etwas ändern? Kaum! Extrem gezuckt hat es meinen Fingern, als vor wenigen Tagen in der gleichen Zeitung eine Überschrift lautete:
Mädchen sticht auf See. Für mich sticht man noch immer in See. Aber vielleicht darf man das von einem Festlandschweizer nicht verlangen.
Aber selbst im Genfersee wird eine kleine Yacht in See stechen, nicht auf.
Mitwoch, 11. August 2010
Nach einer fast zweistündigen wunderschönen Wanderung von Muttenz aus auf und über die Höhen mit wunderbarem Blick bis zu Vogesen und zum Schwarzwald und einem tollen Essen bei einer Freundin, sitzen wir jetzt zu Hause und beginnen in Gedanken nicht nur die Wochen bis zur Abreise zu zählen, sondern mittlerweile auch die Stunden. Dazwischen immer wieder Termine und Abmachungen. Trotzdem: Ich kann mich nicht erinnern, zwei Wochen erlebt zu haben, die so schnell an uns vorbei geflogen sind. Oder war das schon immer so vor grösseren Reisen? Auch daran kann ich mich nicht erinnern. Vor einer Woche habe ich im Lotto CHF 50.00 gewonnen. Was wäre, wenn ich heute Abend einen hohen Betrag gewinnen würde? Nichts würde ich ändern. Oder schneller und höher fliegen? Quatsch alles. Wieso sollte ich jetzt ausgerechnet im Lotto gewinnen? Nachts kommt man manchmal auf die idiotischsten Ideen.
Dienstag 10. August 2010
In einem so genannten Wohnmobil werden wir in zwei Wochen zu einer Rundreise starten. Bei unseren bisherigen grösseren Reisen, ob in Australien, den USA, in der Südsee oder in Südamerika, fuhren wir in gemieteten PKW's von Motel zu Hotel und fühlten uns nicht schlecht. Bald hängt unser mobiles Hotel hinter uns, oder wir chauffieren dieses von Rastplatz zu Standplatz, kochen einfache Gerichte und schlafen hoffentlich in störungsfreien Nächten neuen Erlebnissen entgegen.
Wenn uns in vergangenen Monaten manchmal die Decke auf den Kopf zu fallen schien, wurde das ballastfreie Wohnmobil zum magischen Begriff: Wohnung aufgeben und ganzjährlich mobil werden? Aber wohin mit den Büchern? Und anderen Dingen, auf die wir nicht zu verzichten wagen?Sagen wir es so: Die Rundfahrt durch British Columbia ist eine Art Testfahrt, eine Hauptprobe.
Montag 9. August 2010
Uns machen Berichte von Waldbränden in Kanada Sorgen. Haben diese Auswirkungen auf unsere Reise? Auf unsere Reiseroute? Über Internet versuchen wir genauere Informationen zu bekommen. In diesem Zusammenhang erfahren wir auch über Unwetter und Überschwemmungen. Leicht verunsichert denken wir aber, dass sich in den zwei Wochen bis zu unserer Abreise noch viel verändern kann. Zudem sind wir mit unserer Knobelreise flexibel. Keine Reservationen, nur der Termin unseres Rückfluges. Dazwischen können wir die Reise und den Aufenthalt in Kanada gestalten, wie wir wollen. Sehr gespannt sind wir, wie der Umgang mit dem gemieteten rollenden Schlaf/Wohnzimmer funktionieren wird. Das ist eine echte Premiere für uns, Neuland also!
Sonntag, 8. August 2010
Ruth und mir wurde zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten und von sehr unterschiedlichen Menschen nachgesagt, wir seien vermutlich von Wagen Fahrender runter gefallen. Warum? Weil wir beide gern unterwegs waren. Jetzt, nachdem wir uns vor über 40 Jahren «im Strassenstaub» gefunden haben, geniessen wir die Möglichkeiten, auch ausserhalb einer Theatersaison «fahren» zu können. Ohne die vielen Tourneen mit unserem Theater hätten wir vermutlich nicht so lange durchgehalten. Unsere oft wochenlangen Theaterreisen waren eine Art Belohnung für unser Ausharren an Ort und Stelle.
Samstag, 7. August 2010
Wir in unserem Alter sind keine sehr mutigen Menschen mehr, aber wir wollen einem Abenteuer auch nicht aus dem Wege gehen. Wir sind offen und neugierig und bedingt flexibel. Uns hilft es aber nicht, wenn Bekannte einerseits unseren Mut hervorheben, andererseits aber darauf hinweisen, dass auf Wohnmobile immer wieder Überfälle verübt würden. Natürlich nehmen wir Warnungen und Berichte ernst, aber nicht zu sehr. Würde ich alle Untaten in Basel auf meinen Lebensbereich ausweiten, dann dürfte ich schon lange nicht mehr auf die Strasse gehen und müsste mich einigeln. Bereits 1982, als wir erstmals nach New York reisten, wimmelte es von schlimmen Berichten über die Kriminalität in Manhattan, und dort schliesslich befürchtete man hinter jeder zweiten Ecke einen Gangster mit gezogener Pistole. Natürlich trat nichts davon ein. Sicher ist man, trotz Versicherungen, nirgendwo.
Freitag, 6. August 2010
AUSLÄNDER WILLKOMMEN !
Während Ruths Vorfahren aus Frankfurt stammen, - sie besassen den damals bekannten und erfolgreichen Verlag Rütten & Loening, tauchte der Name Imbsweiler erstmals um 1648 bei Einwanderern aus der Schweiz auf.
«Die erste und wohl stärkste Zuwanderergruppe hatte sich von der seit 1648 vom Reich abgetrennten Schweiz her in Bewegung gesetzt. Das besagte Gebiet (Berner Oberland) war unerträglich übervölkert, die landwirtschaftlich nutzbare Fläche liess sich nicht vermehren, so dass die unübersehbare Notlage die Menschen zur Abwanderung trieb. Als Siedlungsraum boten sich u.a. das Elsass, Lothringen und die verwaisten Landstriche der Pfalz an. Insbesondere das Berner Oberland war der Ausgangspunkt vieler neu ansässig gewordener Menschen mit praktischen Kenntnissen in der Landwirtschaft.»
Donnerstag, 5. August 2010
In British Columbia brennen die Wälder. Nach offiziellen Angaben von gestern lodern um die Metropole Vancouver inzwischen mehr als 400 Brände. Jeden Tag kommen rund 50 Feuer dazu.
Wir machen uns natürlich Sorgen. Nicht nur um unsere Reise, sondern auch um die Menschen, die sich vor den Feuern in Sicherheit bringen müssen und um die Wälder, von denen inzwischen 700 Quadratkilometer vernichtet wurden.
Mittwoch, 4. August 2010
Heute in drei Wochen sollten wir in Vancouver angekommen sein, ein
Hotel bezogen und den eventuellen Jetlag abgeschüttelt haben.
Vancouver (123° / 7' W) wird einer der westlichsten Orte sein, die
wir je besuchten. Noch westlicher, aber nicht markant, liegen San Francisco (122° / 25' W) und Los Angeles (118° / 15' W).
Nördlichst in (Hammerfest+ Nordcap) und südlichst (Ushuaia) befanden wir uns bereits.
Dienstag, 3. August 2010
Wieder ein erwähnenswerter Vorabend: Morgen vor 38 Jahren haben wir geheiratet, standesamtlich und in kleinster Besetzung.
Nur zu fünft waren wir. Für die grundsätzliche Haltbarkeit einer Ehe hat das aber eher keine Bedeutung.
Wir wollten keinen Rummel, deshalb verschwiegen wir es auch an unserem Arbeitsort, dem Theater Basel.
Aber es sickerte doch durch. Wir hatten vergessen, dass standesamtliche Trauungen in der Zeitung erwähnt werden.
Montag, 2. August 2010
Fotografieren ohne Sucher. Das ist jetzt weltweit üblich, seit die Hersteller den Sucher abgeschafft und dafür den Display vergrössert haben. Ich hasse diese Art, weil sie diskriminierend ist. Abgesehen davon, dass bei Sonnenlicht ein Display nur reduziert sichtbar ist und deshalb keine präzisen Ausschnitte gewählt werden können, sind auch die Brillenträger, ob sie nun kurz- oder weitsichtig sind benachteiligt.
Unvergesslich die Bilder sich verrenkender Fotografierender, um im Sonnenlicht nur ein halbwegs erkennbares Abbild des abzulichtenden Objekts auf dem Display zu erkennen.
Mit einem Fotoapparat ohne Sucher hätte ich niemals solche Fotografien schiessen können, wie ich sie in meinem Buch «ZISCH» veröffentlich habe. Vielleicht ist diese ganze Entwicklung lediglich der Versuch, die Spreu vom Weizen zu trennen. Mit Hilfe der Fotoindustrie soll den Hobbyfotografen ein Riegel vorgeschoben werden. Mit Zoomdaten und Pixelzahlen wird dem Konsumenten Qualität vorgegaukelt, die es gar nicht braucht. Es leben die Lobbyisten.
Sonntag, 1. August 2010
Heute ist der Schweizerische Nationalfeiertag. Und pünktlich zu dieser Bundesfeier hat die populistische Schweizerische Volkspartei (SVP) eine Broschüre in alle Briefkästen der Schweiz stopfen lassen, 4 Mio Exemp.!!
Den Inhalt könnte man eigentlich überspringen. Bekannte und verbrauchte Slogans, reaktionär, fremdenfeindlich, rassistisch wie schon lange. Könnte man vergessen, wenn nicht das Ganze als Volksbefragung kaschiert wäre.
In der Basler Zeitung wurde mehrmals darauf hingewiesen,
dass diese Broschüre trotz dem «Bitte keine Werbung»-Kleber von der Post in die
Briefkästen gesteckt würde. Bei mir kam das Unheftchen aber mit anderen Werbeprospekten
im Baslerstab eingelegt in meinen Briefkasten. Lange, bevor der Briefträger da
war. Heute in zwei
Sonntagszeitungen ganzseitige Inserate mit ähnlichem SVP-Inhalt. An Geld
scheint es ja dieser Partei nicht zu fehlen. Interessant ist die Frage, aus
welcher Ecke es kommt. Ansonsten abends heftiges Gewitter, Regentropfen in der
Grösse von Hangelkörnern, Blitze und Donner kurz darauf, Störungen der TV-Übertragungen von der Leichtathletik-WM
in Barcelona. Ich beginne, mich meteorlogisch auf Extreme einzustellen.
Sa 31.07.2010
Muss ich noch jemandem etwas beweisen? Wem? Nein!
42 Jahre lebe ich jetzt in Basel, 47 Jahre in der Schweiz. Bin unter den Einwanderern eine Art Urgestein und doch kein Schweizer.
Natürlich hätte ich mich bewerben können, hätte die Schweizer Staatsbürgerschaft beantragen können. Als Schauspieler und Autor war das deutschsprachige Ausland aber mein potentielles Wirkungsfeld, als Schweizer hätte ich damals immer wieder viele bürokratische Hindernisse überwinden müssen.
Ich hatte als Deutscher in der Schweiz eine Reihe von
Privilegien, so wie die Schweiz mit der EU ebenfalls viele Privilegien er- und
auslebt. Ohne die bilateralen Verträge mit der EU wäre die Schweiz ein zu unterstützendes Gebilde, auf Almosen angewiesen. Und ohne MitarbeiterInnen aus dem Ausland wäre die
Schweiz ähnlich schlimm dran wie Griechenland oder Portugal. Dazu kommt, dass die Schweiz ihre
wirtschaftliche Position weltweit nur dank der Immigranten halten kann.
Bereits 1995 veröffentlichte ich den folgenden Text: Nichts mehr!
Eines Tages funktioniert in diesem Land nichts mehr, der Alltag bricht zusammen: Cafés, Restaurants, Hotels und Gaststätten bleiben geschlossen oder bieten nur noch Notangebote. Die Theater und Konzerte können nur noch in Kleinformationen auftreten. Krankenhäuser sind mangels Ärzte und Pflegepersonal nicht mehr funktionsfähig. Zeitungen schrumpfen auf wenige Seiten zusammen. In den Kaufhäusern stehen weniger Kunden als üblich einem stark reduzierten Personal gegenüber. Abfälle stapeln sich in den Strassen. Baustellen bleiben unvollendet und Abwasserrohre verstopft. Hochbaustellen verrotten zu Ruinen. Die unvereint einige Industrie kann kaum noch produzieren und viele Bankschalter bleiben geschlossen. Wahrscheinlich kommen auch kein Wasser mehr aus dem Wasserhahn und keine Wärme aus den Fernheizkörpern. Wahrscheinlich wäre alles noch viel schlimmer, als ich es mir heute ausdenken kann, wenn tatsächlich alle Ausländer in diesem Land einmal streikten und protestierten gegen die Arroganz und Fremdenfeindlichkeit einer Partei und so vieler Menschen in diesem Land.
VORTAGE 27.07.2010
Vorabende kennen wir: Das sind die Stunden vor den oft zu
kurzen oder zu nervösen Schlafstunden vor wichtigen oder einschneidenden oder
entscheidenden Ereignissen eines kommenden Tages. Für mich als Kind waren das
die Stunden vor Heiligabend, oder vor Geburtstagen oder vor den Ferien. Später
weiteten sich die Abende zu Tagen aus, weil das Ziel nur durch diverse
Vorbereitungen zu erreichen war. Vorabende reichten nicht mehr. Probepacken in
die auf Betten liegenden Koffern folgten. Erst einpacken, dann umpacken, dann wieder auspacken und neu
packen. Dazwischen Diskussionen über die Erfahrungen vergangener
Reisen: Wir hatten stets zu viel Gepäck. Aber diesmal brauchen wir
auch Warmes.Man kann auch Kleider übereinander anziehen. Das ist nicht
das Gleiche. Aus wenigen Vortagen wird manchmal auch eine ganze Vorwoche. Die Zahl der Vortage nimmt nie zu, sondern ab. Von Tag zu
Tag nähert sich der Vorabend vor der Abreise. Indem ich jetzt bereits an den
kommenden Vorabend denke, mache ich die Vortage zu Momenten gesteigerter
Anspannung. Wie beim Hundertmeterlauf. Die Angst des Torwarts beim Elfmeter.
Das warten auf den (Start)Schuss. Ja keinen Fehlstart. Wenige Minuten und
Sekunden als Synonym für angespanntes Warten. Beim Zähneputzen am Morgen
realisiert man, wie schnell so ein Tag vergangen ist und wie wenig man sich
verändert hat in einer Nacht. Augenringe. Na ja, die kommen und gehen, im Alter
bleiben sie länger zu Gast, setzen sich, machen sich breit und manche wollen
gar ganz bleiben. Ich nehme mir vor, über meine Vortage vor dem Vorabend zu
schreiben, Buch zu führen. Und wenn mir nichts einfällt, werde ich eine
Fotografie aus meinem Fundus veröffentlichen. Heute ist der 27. Juli 2010. Genau heute in einem Monat, am
27. August 2010 werden wir in Vancouver unseren aus der Ferne gemieteten VAN
übernehmen und uns dann auf die Reise machen. Auf unsere Knobelreise!