Aus gesundheitlichen Gründen müssen wir leider alle Aktivitäten
vorübergehend einstellen oder stark reduzieren:
Vorerst können keine Vorstellungen von «Struwwelväter» stattfinden.
Gleichzeitig müssen auch die diesjährigen Schreibwerkstätten ausfallen.
Wir bitten um Verständnis!
An Regierungsrat Wessels
Trottoir-Absenkungen
Subito! So fordere ich unverschämter-, aber berechtigterweise, sehr geehrter, lieber Herr Wessels!
Doch, doch, ich weiss, dass dieses Vorhaben bei Ihrem Departement “in
Arbeit” ist. Georg Mattmüller, der Geschäftsführer des Behindertenforums
(dem ich dieses Mail zur Info auch zustelle), hat mir bei einem letzten
Treffen versichert, dass Sie beide diesbezüglich in Kontakt seien und
es vorwärts gehe. Es gebe sogar zeitliche Aussichten, bis wann dieses
dringende Anliegen in der Stadt Basel erledigt sei.
Auch wenn ich also (halb-)offene Türen einrenne: Aus aktuellem Anlass
möchte ich aus der Sicht eines Bewohners dieser Stadt einfach nochmals
auf den mehr als unbefriedigenden Zustand hinweisen. Ein Freund von mir
ist seit zwei Wochen auf den Rollstuhl angewiesen. Vor ein paar Tagen
wollte ich mit ihm von seiner Wohnadresse anfangs der Rufacherstrasse
via Helvetiaplatz ins Felix-Platter-Spital fahren. Da sind fünf
Querstrassen zu überwinden; bei keiner einzigen hat es abgesenkte
Trottoirs. Eine Katastrophe! Ein gelegentlicher Blick in diese
Querstrassen zeigt allerdings, dass es sehr wohl Abflachungen gibt, und
zwar bei jeder Garageneinfahrt! Es gilt also: Auto vor Mensch, muss ich
da traurig feststellen!
Ich weiss aus eigener Anschauung, dass diese Situation in allen
Quartieren ähnlich ist. Es sind ja nicht nur RollstuhlfahrerInnen, die
betroffen sind. Mütter und Väter mit Kinderwagen sind es ebenso. Und die
immer älter werdende Bevölkerung “erzeugt” auch immer mehr nicht mehr
so mobile Menschen; auch für diese (selbst wenn sie noch ohne Rollator
oder Rollstuhl unterwegs sind) sind diese unsinnig hohen Randsteine eine
Gefahrenquelle für Stürze.
Wie ich im Übrigen nicht verstehen kann, wie man früher Strassen und
Trottoirs so gestalten konnte. Es gab doch damals auch schon Behinderte
und Eltern mit Kinderwagen! Die Planer müssen engstirnig nur an den
rollenden Verkehr gedacht haben. Anders ist es nicht zu erklären, warum
die FussgängerInnen ein ständiges Auf und Ab in Kauf nehmen müssen,
wohingegen die Autos, Roller etc. einfach geradeaus fahren können. Wie
man es auch anders machen kann, zeigt im Gundeli vorbildlich der (neue)
Fussgänger-Übergang von der Seite Heiliggeistkirche auf die Seite der
Kantonalbank. Da muss der Verkehr eine (minime) Schwelle überwinden.
Prima!
Ich habe meinen Vater in den sechziger, siebziger Jahren im Rollstuhl
sitzend betreut. Allerdings in Arlesheim (wo die Situation auch schlecht
war – heute allerdings ist sie entschieden besser als in Basel). Ich
habe es nie gewagt, mit meinem Vater nach Basel zu fahren (allein schon
das Tram war damals ein fast unüberwindbares Hindernis). Ich stelle
jetzt fest: Auch heute würde ich dieses Wagnis nie eingehen!
Bei der kürzlichen Befragung in Basel betreffend Alter (Zukunft,
Gesundheit, Wünsche, etc.) ist eindeutig herausgekommen, dass die
älteren Menschen in ihrem Haus resp. in ihrem Quartier bleiben wollen.
Schön und gut! Aber wie sollen sie bei diesen prekären
Trottoirverhältnissen mobil sein und bleiben? Und ab und zu aus ihren
vier Wänden kommen und einen ungefährdeten Spaziergang machen?
Wenn ich mir diese Bemerkung noch erlauben darf: Ich habe den Eindruck,
dass andere Vorhaben im Strassenbau in Basel eindeutig Priorität haben.
Natürlich müssen die “Innereien” der Strassen repariert und instand
gestellt werden. Aber muss zum Beispiel die Dornacherstrasse (in deren
Nähe ich wohne und auf der meine Frau tagtäglich mit dem Velo von der
Arbeit heimfährt und von drängelnden Autos gefährdet wird), gefühlte
fünf Jahre aufgerissen sein und immer wieder wechselseitig aufgerissen
werden?
Lieber Herr Wessels, ich hoffe, dass Sie mein Anliegen verstehen und
ernst nehmen. Eine kurze Antwort würde mich freuen – mit dem Hinweis
versehen, bis wann Basel nicht nur eine Kulturstadt und eine Sportstadt,
sondern auch eine allerorten gerühmte Stadt für Jung UND Alt ist.
Mit dem lieben Dank für Ihre Aufmerksamkeit und schönen Grüssen
Fredy Heller